Auch der dritte Tag der Schule begann auf den Maltfloors.
Was die Kollegen letzte Woche geschippt, verteilt und gepflügt hatten war jetzt
soweit. Die Körner sind dick und fett und haben begonnen zu keimen. Zeit diesen
Zustand zu konservieren und die Körner so wie sie jetzt sind zu trocknen. Dafür
wird eine kleine Klappe geöffnet, wo sämtliche Körner der Etage rein befördert
werden müssen. Alles was weiter weg ist via Schubkarre, was näher liegt wird
mit dem Besen reingefegt. Das ging mit insgesamt 8 Leuten sensationell schnell,
die beiden Kollegen von den Maltings waren begeistert... sonst wären sie ja nur
zu zweit gewesen.
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| ...da rein... |
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| ...da raus... |
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| ...und muss gleichmäßig... |
Wir waren auch stolz auf uns... hätten uns aber gleich denken
können, daß das Korn jetzt irgendwo geblieben ist und dort warscheinlich nicht
so liegen bleiben kann... Also alle Mann in den Kiln... quasi die Platte mit
dem durchlässigen Metallboden der über dem Ofen liegt. Wie groß mag das sein
(?).. ich schätze mal ca. 6 x 6 Meter. Zwei mannshohe Berge Grünmalz erwarteten
uns und die galt es nun in diesem kleinen Raum flach und gleichmäßig zu
verteilen. Das erinnerte mich etwas an meine Kindheit beim buddeln... nein
nicht im Sandkasten, sondern auf Baustellen etc. Als die Plattenbauten der
Nachbarschaft entstanden, gab es Mitte der 70er Jahre genug Möglichkeiten auf
riesigen Sandbergen zu spielen und danach eine gefühlte halbe Tonne Sand mit
nachhause zu bringen. So ähnlich war das jetzt mit dem Malz... man tauchte
mindestens knöcheltief ins Korn und konnte danach erstmal die Schuhe
auskippen... für einen Teller Müsli hätte es gereicht... Tage später fand ich
noch überall Körner... Als alles verteilt war ging es an den Ofen... da reicht
es auch nicht einen Grillanzünder rein zu werfen, da muß man schon einen guten
Mix an Holz, Papier, Kohle und Torf hinkriegen. Als der Ofen lief ging es zum
Teabreak und danach ging es für mich in die Bottling Hall.
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| ...gleich gibts was gefeuert... |
Es gibt nur eine Handvoll
Brennereien in Schottland die ihren Whisky selber in Flaschen füllen. Da ja
Springbank bekanntlich alles selber macht, ist es in diesem Falle ein Muß... Es
gibt zwei Fließbänder, eine für die Springbankflaschen (also auch Longrow und
Hazelburn... das sind die gleichen Flaschen) und eine für alles andere, sprich
auch die ganzen Cadenhead Flaschen. Ich bekam es mit ersterer zu tun, es wurde
Longrow Peated, also der Standard abgefüllt... allerdings wurden öfters die
Labels gewechselt, da die Flaschen an verschiedene Märkte gingen.
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| ...jahrelang selber Pappkamerad gewesen... |
Erst Taiwan,
dann Japan, dann UK. Der erste Teil läuft vollautomatisch, erst wird Luft in
die Flasche gepresst, dann Whisky, dann Korken, dann der Korkenverschluss...
der auch nochmal festgestanzt wird. Dann im nächsten Kasten kommen die
Etiketten (ein großes vorn, ein schmales hinten). Was danach kommt ist
Handarbeit : eine Tante faltet die Kartons in Form, die nächsten beiden prüfen
ob alles gerade sitzt und stellen die Flaschen in den Karton, die nächste alte
Tante und ich schließen die Kartons, der nächste packt die Kartons in den
Sechserkarton, eine klebt die Kiste mit Klebeband zu, die nächste stempelt
irgendwas drauf der nächste macht die Sechserkiste auf die Palette... die wird
dann noch verpackt und raus geht’s aus der Halle... insgesamt arbeiten
mindestens 10 Arbeiter an der Abfüllanlage. Ob das in Punkto Gewinnoptimierung
günstig ist darf bezweifelt werden... aber auch das zeichnet Springbank aus, es
ist kein Konzern, die Besitzer sind nach wie vor Nachfahren der Gründer
Mitchell und man hat ein großes soziales Bewusstsein. Als vor einigen Jahren
Gavin McLachlan die Leitung bei Springbank übernahm, gab es ein Team von 10
Leuten. Heute arbeiten über 80 Leute in der Brennerei... schön zu sehen, das es
auch noch andere Modelle als den stinkend faulen, parasitären Kapitalismus
(sorry, so wurde mir das damals im Osten in der Schule beigebracht) gibt.
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| ...aller Whisky Anfang : der Quellsee Crosshill Loch |
Nach dem Mittagessen fuhr uns Findlay Ross (der zweite Mann
hinter Gavin McLachlan) mit seinem Privat PKW zur Wasserquelle von Springbank.
Es ist ein See namens Crosshill Loch. Wie in Kreuzberg sah es aber garantiert
nicht aus... sehr idyllisch, etwas außerhalb der Stadt gelegen, bei dem schönen
(aber kalten) Wetter ein schöner Anblick mit tief blauem Wasser, grünen Hängen
mit gelben blühenden Ginster. Sehr schön. Dann kam von Findlay die Frage was
wir wollen.. weiter an unser letzten Station arbeiten oder ein Sherrytasting
mit ihm machen ? Ich hatte mir die Antwort tiefgreifend und gründlich überlegt (etwa 0,001
Sekunden) und war mit Sherry einverstanden... Die Sherryfässer liegen auf dem
Gelände der Glengyle Distillery, also da wo der Kilkerran hergestellt wird.
Findlay holte uns etwas mit dem Vailinch aus den Fässern, es gab Manzanila,
Fino, Oloroso und Pedro Ximenez (auch PX genannt). Der Oloroso war derart
dunkel und von extremer Viskosität, das ich das Glas später erstmal mit New
Spirit aus der Brennblase ausspülen musste.
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| Erdöl ? Bitumenklebstoff ? ... Oloroso Sherry ! |
Nur kurz ging es nochmal zum
Pappschachtelschliessen ans Fließband ... also mal kann man das machen... man
muß nicht viel denken und es beruhigt die Nerven. Dann ging der Arbeitstag
ähnlich hart zu Ende wie gestern : Cadenhead Warehouse Tasting mit Mark Watt...
und der hatte auch noch Geburtstag... Also ich erinnere mich an einen Aultmore,
Benrinnes 23y (durfte auch mit nach Berlin, genau wie der:) Kilkerran 2006,
weiterhin ein Paul John (aus Indien), ein Tormore 30y, ein 89’er Grain, ein
Glen Scotia... hmmm... vielleicht hab ich was vergessen... aber egal... die
Lampen waren danach bei allen an und wir kamen gerade noch rechtzeitig zum
Dinner ins Dellhouse Hotel. Abends ging es zu dritt ins Fiddlers Inn, einem
traditional Pub... relativ in der Nähe... aber auch an diesem Tag wurde nicht bis
in die Puppen gefeiert... 3 Bier, dann Zapfenstreich... wird fortgesetzt...
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