Tag 5 – Vierter und Fünfter Schultag
Heute wurden wir gleich von Beginn aufgeteilt, jeder ging
dahin wo er noch nicht eingesetzt wurde. Heute ging es für mich und Michael in
die Bottling Hall, aber nicht zum Flaschen abfüllen, sondern zum Fässer
befüllen und zwar nicht mit New Spirit sondern mit Whisky, nämlich Longrow
Peated, allerdings in der fassstarken Version. Wer eine Flasche Longrow Peated
kauft bekommt einen Longrow ohne Altersangabe mit 46% aus verschiedenen Fässern
geboten. Dieser Mix muss allerdings erstmal geblended (gemischt) werden.
 |
| Das "Riesenfass" namens Vat 2 |
 |
| ...wie romantisch... Hochzeit und Flitterwochen im Vat... |
So
wurden neulich jede Menge Fässer Longrow in eine Art Riesenfass gekippt, dort
vermischt sich das ganze dann, der Malt wird vermählt. Danach bleibt er ein
paar Tage in dem Vat (so heißt das Riesenfass) Honeymoon quasi.. Da aber nicht
alles abgefüllt wurde, mußte der nun verheiratete Whisky erstmal wieder in
Fässer zurück um zu einem späteren Zeitpunkt abgefüllt zu werden. Das war unsere Aufgabe mit Kerry zusammen.
Kerry ist schon 15 Jahre bei Springbank, verantwortlich für alles was mit
Fässern und Warehouses, immer lustig und sympathisch ... vor allem anpacken
kann sie wie zwei Kerle. Die Arbeit die wir heute machen ist nicht sehr kompliziert,
Fass auf, drunter rollen, Schlauch vom Vat auf, laufen lassen, wenn voll dann
zu, Fass zu und ab ins Lagerhaus. Etwa 30 Fässer haben wir so befüllt, ab und
zu kam mal ein Dram von der Flaschenabfüllung rüber, wie ein wunderbarer
24jähriger Springbank aus einem Einzelfass.
 |
| ...alberner Michael.... Kerry steht mit dem Hammer dabei... |
Nach dem Mittag stand die
Campbeltown Walking Tour auf dem Plan. Ein Guide von Springbank führte durch
die ehemalige Whisky Hauptstadt der Welt und zeigte wo die vielen Brennereien
ungefähr standen. An einigen Stellen stand nicht viel anderes als Destillen.
Zum Abschluss der Tour ging es in die Glengyle Distillery. Es war etwa um die
Jahrtausendwende als die Scotch Whisky Association an die Campbeltowner
Whiskybrenner trat und ihnen ankündigte, das die Region Campbeltown demnächst abgeschafft
würde, schließlich sind 2 kleine Brennereien zu wenig um als Region zu gelten...
(zum Vergleich : allein das Dorf Dufftown in der Speyside hat schon 7
Brennereien) Zum Glück gab es zu dieser Zeit aber in den Lowlands auch nur 3
Brennereien im Betrieb, so das man überein kam, mit Bau einer dritten Brennerei
in Campbeltown den Status einer Region zu erhalten. Also rief der
Familienpatriarch Hedley Wright den damaligen Manager Frank McHardy in sein
Büro und gab ihn einen Auftrag : Frank, please build a new distillery... Es
traf sich gut, das das Gelände der ehemaligen Glengyle Distillery (eine Ecke
weiter als Springbank) noch immer im Familienbesitz war und in den letzten
Jahrzehnten als Traktorgarage diente. ...also Trecker raus, renoviert...
gebrauchtes Equipment wie Malzmühle und Brennblasen besorgt und fertig ist die
Laube... 2004 lief der erste Whisky der sich Kilkerran nennt, aus den
Brennblasen. Der erste offizielle Standardmalt Kilkerran 12 Jahre kam 2016, bis
dahin gab es jährliche Kostproben namens „Work In Progress“. Die Brennerei
arbeitet nur 8 Wochen im Jahr und wird komplett von der Springbank Mannschaft
bespielt.
 |
| Das Logo vom Kilkerran ist der Blickdurch das Fenster zur Kirche |
 |
| Glengyle Distillery... nur 8 Wochen pro Jahr in Betrieb... |
Nach dem Stadtrundgang und Glengyle kam nun der letzte Punkt
des Arbeitstages... und der gesamten Schule überhaupt... Zum erstem mal überhaupt
konnten wir uns eine Flasche Springbank nach unserem eigenen Geschmack
kreieren. Das alles machen die Leute von Springbank/Cadenhead zum allerersten male, der Raum dafür roch noch nach Farbe, wenige Stunden zuvor wurden noch elektrische Leitungen verlegt... Spannung pur... Bereit standen 6 Fasssamples von Springbank : First Fill Bourbon,
Refill Sauternes, Refill Rum, Refill Port, Refill Sherry und First Fill Sherry.
Dazu auch 6 Kleinsamples zum probieren. Das Ergebnis wird dann in Messzylinder
gemixt und letztendlich in die Flaschen gefüllt... mit Original Springbank
Labeln und Namen des „Master“blenders.
 |
| Neu im Hause Cadenhead : Blend your own Springbank |
 |
| Wenn alle Arbeitsplätze der Welt so... vergiss es... |
 |
| yeeaaaaahhhh |
Ich bin ja dem Sherry nicht abgeneigt so
lange er nicht zu schwefelig ist. Meine Komposition besteht aus 0,35 l First
Fill Sherry, 0,15 l Refill Sherry und 0,20 l Bourbonfass. Die Flasche gibt es
aber erst morgen... nach bestandener Prüfung. Durch das ganze Verkosten für den
Blend hatten wir bereits wieder alle Lampen an... um die Flaschen noch
ordnungsgemäß zu verschließen gingen wir nochmal ins Warehouse No.9... wo das
Cadenhead Warehouse Tasting immer ist. Der Vailinch lag noch da und Donald
Brown, mit dem wir die Blendingsession gemacht haben war auch guter Dinge da er
auch nicht mehr ganz nüchtern war... und das Tasting von gestern wurde noch
etwas ergänzt... ich kann mich nicht mehr erinnern was alles noch ins Glas
kam... Mantel des Schweigens darüber...
Nebenbei : es soll in Zukunft eine offizielle Tour mit dem Namen From Barley To Bottle (oder so ähnlich) geben, also eine recht üppige Tour mit dem Blenden... für 250 Pfund..., aber auch mit dem Unikat einer Springbank Flasche... wir waren uns für die Pionierarbeit nicht zu schade...
Nach dem Dinner ging es dann nochmal gemeinschaftlich in die
Gastronomie der Stadt. Die älteren (in diesem Falle auch ich) waren Mitternacht
zuhause, die jüngeren konnten sich den nächsten Morgen nicht erinnern... es
soll wohl aber 3 Uhr gewesen sein...
 |
| Findley Ross, Lars Pechmann, Gavin McLachlan... Springbankiers unter sich... |
 |
| Das beste Jodeldiplom der Welt |
...und damit sind wir beim letzten Schultag angelangt... er
war sehr kurz deshalb wird er hier mit abgehandelt. Zum Frühstück musste
nochmal früh aufgestanden werden. Der einzige offizielle Termin war zwar um 10:30
Uhr und lautete : Test, Prüfung, Abitur... Diplom... Professur... ok... ich
neige manchmal zur Übertreibung... Es
gab einige Seiten mit allmöglichen Fragen, die Antworten standen in dem Hefter,
den wir am Anfang erhalten hatten und den ich nicht für nötig erachtet hatte
mitzunehmen... Naja, so schwer war es auch ohne nicht, spicken und
gemeinschaftlicher Austausch war nicht verboten. Dann kam Findlay Ross und die
Fragen wurden gemeinschaftlich gelöst... war ja klar das es nur eine Formsache
ist... Dann wurden die Diplome mit den Tags zuvor kreierten Springbanks
überreicht. Gruppenfoto und Mittagessen (die jüngeren hatten noch keinen
Appetit), dann kam schon der Abschied. Die Hälfte der Klasse fuhr schon von
Springbank aus mit dem Auto Richtung Glasgow, Felix kam noch mit ins Hotel,
reiste aber auch kurze Zeit später ab. Nur Sören und ich blieben noch über
Nacht. Abends gingen wir zusammen essen, mehr lief den Tag aber nicht mehr...
ich fing an diesem Tag an, diese Berichte zu schreiben, vorher ging das nicht,
wie ihr euch das jetzt ja vorstellen könnt... und ich schreibe jetzt noch...
morgen gehts weiter...
 |
|
|
|
|
the class of 2019... oben v.l.n.r.: Findley Ross (Springbank), Darien Clippingdale, Felix Haslimeier, Icke., Gavin McLachlan (Springbank) ..unten : Kylie Coghlan, Michael Foti, Sören Fahlström
wow super!
AntwortenLöschen